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KALENDER 2023 FEATUREBLATT
DRANBLEIBEN. TROTZDEM.

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Wie dieses Buch entstanden ist

Anmerkungen des Autor

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WIE DIESES BUCH ENTSTANDEN IST

Was rate ich einem Mitarbeiter, der drei Jahre vor seinem Renteneintritt professionelle Sinnfragen erörtert, biografische Stationen reflektiert und eine lebenslange Affinität für Lebensräume auch außerhalb von Familie feststellt? Dazu kommt ein ungebrochenes Engagement für die stationäre Jugendhilfe und Betrachtung des Lebenswerkes: Was hätte ich vielleicht noch alles erreichen können?

Zu dem Zeitpunkt hat ich noch weniger Verständnis (oder besser gesagt: Verstehen) der renten-orientierten mentalen Vorbereitungen, als ich es heute habe (… bin schließlich selbst bald „dran“). Allerdings erahnte ich den Tiefgang und die Dramatik derartiger Überlegungen und stellte mich der Auseinandersetzung, die in einen ungemein kreativen Prozess der Reflextion, des (In-) Frage-Stellens und der Perspektiventwicklung wurde.

Nachdem ich diese Dimension erfasst hatte, gab es schließlich nur einen Rat an besagten Mitarbeiter namens Michael Weinreich: Schreibe ein Buch!

Das ist ja einfach, mag man und frau denken – sowohl Rat gebend (es könnte auch verstanden werden als: dann mach doch mal, setz dich in dein Kämmerlein und schreib…), als auch dann ausführend (Bücher schreiben ist doch einfach, setz dich in dein Kämmerlein und lass es aus deiner Feder fließen…) – aber es ist mitnichten einfach und ohne das Engagement von Michael Weinreich, sich einmal auf dieses relativ unbekannte Terrain bewegen zu wollen, wäre es auch wohl nichts geworden. Dranbleiben war auch schon hier Programm.

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Michael Weinreich ist Diplom-Sozialarbeiter/Sozialpädagoge, Sozialtherapeut und Psychodramaleiter, mit Ausbildung im Qualitätsmanagement. In fast 50 Berufsjahren auf unterschiedlichen Feldern der Jugendhilfe hat sich der Autor stets dem „anderen Blick“ verschrieben. Nicht vom System her denkend, sondern vom jungen Menschen, dem gegen alle Widerstände Selbstwirksamkeit und Soziale Teilhabe zu ermöglichen ist - diesen Perspektivwechsel hat sich der Autor früh zur pädagogischen Pflichtaufgabe gemacht. So ist sein Buch nicht nur als persönliches Bekenntnis zu verstehen, sondern auch als berufsethisches und sozialpolitisches Plädoyer.

Nach seinen ersten plakativen Einlassungen war klar, hier haben sich hervorragende Statements in seinem Berufsleben herauskristallisiert, die von Bedeutung sind, und jetzt musste das „Buch drumherum“ entstehen. Und das fing natürlich mit Fragen an. Z.B.: Für wen haben die Statements Bedeutung und woher kommen sie? Was ist Meinung und was ist Fakt? Was soll die Botschaft sein?

Und so diskutierten wir, gingen der stationären Jugendhilfe auf den Grund. Michael Weinreich recherchierte, zog Bilanz und wurde sich bewusst, dass „Dranbleiben“ eigentlich schon immer sein Programm war – verbunden mit pädagogisch-therapeutischer Professionalität auf hohem (ausgebildetem und praktizierendem) Niveau. Nicht nehmen ließ er sich einen empirischen Anteil, indem er vier Besuche bei vier verschiedenen Kindern und Jugendlichen vorbereitete, durchführte und auswertete. Die Resumees dieser vier Interviews unterstützten seine Thesen, korrigierte diese oder boten neue interessante Perspektiven.

Inhaltlich herausgekommen ist dabei in jedem Fall „ein kleiner Schatz“ an Orientierung für Pädagogen in der Jugendhilfe. Ein Bereich, der sich auch in diesen modernen Zeiten immer wieder auf „Sinn und Verstand“ hinterfragen lassen muss. Bisherige Rückmeldungen werte ich auch dahingehend, dass Michael Weinreich im „Dranbleiben“ aber nicht nur den Bereich Jugendhilfe erklärt und Herangehensweise und Ziele postuliert, sondern auch Pädagogen ein Bewusstsein zurückgibt, wenn es um Selbstorganisation und Autonomie geht. Die Freiheit des Einzelnen und die politische Einmischung können nun einmal z.B. nicht an die Arbeitszeit-(erfassungs-)diskussion oder an Tarifverhandlungen abgegeben werden. 

 

Ja, so war es inhaltlich – es lohnt sich nachzulesen im „Dranbleiben“ selbst. Aber wie ist es, dann tatsächlich ein Buch zu machen? Der Mythos, den ich bemüht hatte, im stillen Kämmerlein zu sitzen und „es“ aus der Feder fließen zu lassen und schon ist nach einigen Wochen das Buch „Dranbleiben“ fertig - der hat sich tatsächlich auch als Mythos erwiesen.

Schreibblockaden – doch noch einmal von vorne beginnen – das Konstrukt, die Gliederung umstellen – am Gesamtvorhaben zweifeln – ungewollte Pausen – ständige Korrekturen - Zusammenarbeit mit Ratgeber und Verlag – was wollen die? – was will ich? – wie lang soll es eigentlich werden? – wie verständlich oder professionell komprimierend soll bzw. darf die Sprache sein – gibt es Marketing – was werden Familie, Freunde, Wegbegleiter sagen - was kostet das? Diese und andere Fragen tauchten auf und forderten Antworten.

Es hört sich ja so einfach an: Dann schreib doch ein Buch …

Danke, Michael, dass du dieses Wagnis und Abenteuer eingegangen bist.

Dr. Rolf Kötterheinrich

Herausgeber